Feigen: Von Göttern geliebt

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Feigen: Von Göttern geliebt

Wer an einer sonnigen Lage wohnt, darf sich doppelt glücklich schätzen. Einerseits wegen der klimatischen Bedingungen, andererseits aus kulinarischer Sicht. Denn an solchen Lagen fühlen sich Feigen besonders wohl. Mit etwas Glück steht sogar ein Feigenbaum im eigenen Garten. Seine sattgrünen Blätter und die süssen Früchte versprühen mediterranes Flair und lassen den Alltag ein Stückchen südlicher wirken. Feigen gelten als robust, wenn sie genügend Wärme und Licht bekommen, und belohnen ihre Besitzer im Spätsommer mit einer köstlichen Ernte.

Redaktor/in Meta Hiltebrand

Die Feige, eine göttliche Frucht
Ihre Schale zart und samtig, mal tiefviolett, mal hellgrün. Beim Hineinbeissen erlebt man eine honigsüsse Saftigkeit mit unzähligen kleinen Kernen, die beim Kauen leise knacken. Ein Kontrast zum zarten Fruchtfleisch. Die Feige ist eine sinnliche Frucht: eine Mischung aus Süsse, Wärme und der Erinnerung an mediterrane Sommer. Kein Wunder, dass sie schon in der Antike als «Speise der Götter» galt, Symbol für Fruchtbarkeit, Überfluss und Genuss.

Feigen (Gattung Ficus) gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Archäologische Funde belegen, dass sie schon vor über 11’000 Jahren kultiviert wurden, noch bevor Weizen oder Gerste angebaut wurden. Weltweit gibt es über 800 Arten von Feigenbäumen, die meisten wachsen in tropischen und subtropischen Regionen. Feigenbäume können über 200 Jahre alt werden und riesige Kronen mit einem Durchmesser von 50 m bilden. Manche Feigen sind auch « Würgefeigen». Sie keimen auf anderen Bäumen, wachsen um den Stamm herum und können den Wirt regelrecht ersticken.

Einzigartiges Bestäubungssystem
Die Feige ist keine Frucht im klassischen Sinne, sondern ein Scheinfruchtstand – sie besteht aus Hunderten winzigen Blüten, die im Inneren der Feige versteckt sind. Die Feigenbäume haben ein einzigartiges Bestäubungssystem. Sie sind auf Feigenwespen spezialisiert, das heisst, jede Feige hat eine eigene Wespenart, von der sie bestäubt wird: Die Wespen kriechen durch die Frucht, legen dort ihre Eier ab und bringen dabei die Pollen von einer anderen Feige mit. So entsteht eine enge Symbiose, die Wespe findet einen Brutplatz, die Feige erhält ihre Bestäubung. Manche modernen Sorten (z. B. die türkische Sorte Smyrna) brauchen keine Wespen mehr, sie werden ohne Befruchtung gebildet.

Nährwert
Frische Feigen enthalten viele Ballaststoffe, sind sättigend und gut für die Verdauung. Sie enthalten viel Kalium (gut für den Blutdruck) und Kalzium (gut für die Knochen) und sind sehr blutzuckerschonend (sie haben einen glykämischen Index von nur ca. 35). Getrocknet sind die Feigen wahre Energiespender: 100 g liefern fast 250 kcal. Sie sind also ideal für Sportler oder auf langen Wanderungen. Sogar römische Gladiatoren assen häufig Feigen, sie galten als Symbol für Stärke und Fruchtbarkeit.

Import und Export
Leider ist die Schweiz kein Feigenland. Der grösste Teil wird ausder Türkei importiert, in Zahlen waren das 2023 rund 2638 Tonnen. Die Türkei ist weltweit das Feigen-Exportland Nr. 1 (natürlich mit einem grossen Anteil an getrockneten Feigen). Weltweit exportiert die Türkei ca. 90’000 Tonnen Feigen. Iran und Afghanistan sind wichtig im asiatischen Handel. Ausserdem beziehen wir Feigen aus Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien, den Niederlanden, Österreich und der Slowakei.

Ernte und Verwendung
Feigen sind ein bisschen speziell, weil sie je nach Sorte und Klima zwei Ernten pro Jahr bringen können. Man spricht dabei von der Breba-Ernte (Frühfeigen) und von der Haupternte (Spätfeigen).

Frische Feigen aus der Schweiz sind nur in kleinen Mengen erhältlich, meist im Spätsommer oder Frühherbst (August bis Oktober). Der Grossteil des Angebots im Handel wird importiert, vor allem aus dem Mittelmeerraum, und ist daher schon ab Juni bis in den Winter hinein verfügbar. Im Sommer gibt es fast nichts Feineres als frische Feigen direkt vom Baum. Hingegen jetzt, wo es etwas kühler ist, bieten sich gratinierte Feigen perfekt an. Oder haben Sie schon einmal Capuns mit getrockneten Feigen gegessen? Wir haben es ausprobiert und rezeptiert. Und noch einiges mehr …

Kuriose Fakten
Forscher fanden heraus, dass Feigen ein Enzym namens Ficin enthalten, das Proteine spalten kann. Es wird industriell unter anderem zum Zartmachen von Fleisch genutzt. In der Kosmetikindustrie wird Feigenextrakt als Feuchtigkeitsspender eingesetzt. Und der weisse Milchsaft wurde früher in der Volksmedizin gegen Warzen genutzt.

Rezepte: 

Gebackener Dorsch mit Feigen und Kartoffeln

Geflämmte Feige mit Rucola und Knuspersternen

Krautstiel-Capuns mit getrockneten Feigen

Überbackene Feigen

Gerolltes Feigen-Pouletbrüstli im Speckmantel auf sautiertem Radicchio-Kartoffel-Gemüse


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