Süsskartoffel: Sweet Home Potatoe!

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Süsskartoffel: Sweet Home Potatoe!

Die unaufhaltsame farbige Knolle, die jeder liebt? Ja, das ist die Süsskartoffel, und sie begeistert uns von Tag zu Tag. Ob als knusprige Pommes, crèmige Suppe, goldene Rösti oder Gnocchi – die Zubereitungsmöglichkeiten scheinen schier unendlich. Süsskartoffeln sind keine Beilage-Darsteller, sie sind die Hauptrolle, der warme Applaus des Tellers, ein «Alles wird gut» in Orange, Rot, Rosa oder Violett. Immer bereit, so fein, so wandelbar und doch so einfach zuzubereiten.

Redaktor/in Meta Hiltebrand

Die Kartoffel, die keine ist
Die Süsskartoffel «Ipomoea batatas» ist keine Kartoffel-Verwandte, sondern gehört zu den Windengewächsen. Sie wächst rankend, kriechend, kletternd mit herz- bis pfeilförmigen Blättern und zarten, trichterförmigen Blüten. Als echtes Wärmekind braucht sie viel Sonne zum Wachsen. Sie bildet essbare Speicherwurzeln, und sogar junge Blätter und Triebe kann man wie Spinat verwenden. Winterhart ist sie in unserer Gegend allerdings nicht. Ihre vermeintlichen Verwandten, die Kartoffeln, gehören hingegen zu den Nachtschattengewächsen und sind ihr botanisch gesehen gar nicht so ähnlich, wie wir denken.

Herkunft
Die Süsskartoffel stammt aus Mittel- und Südamerika. Es heisst, Christoph Kolumbus habe sie von seinen Reisen nach Europa gebracht. Obwohl neuere Ergebnisse darauf hindeuten, dass ihre Ursprünge vielleicht doch in Asien liegen könnten, denn dort hat man entdeckt, dass die Urform «pomoea» im Paläozän entstanden ist. Heute zählt sie weltweit zu den Grundnahrungsmitteln, im Handel kommen viele Knollen als Import, vorwiegend aus China, zu uns. Regionaler Eigenanbau ist also spannend.

Randvoll mit Nährwerten
Die Süsskartoffel ist aus gutem Grund bei so vielen beliebt, sie ist randvoll mit wertvollen Nährstoffen. Der Vitamin-C-Gehalt unterstützt das Immunsystem, und daher sollte diese tolle Knolle gerade in der etwas kälteren Jahreszeit häufiger auf dem Speiseplan stehen. Als Kaliumquelle trägt sie zu einer normalen Funktion der Muskeln und des Nervensystems bei. Besonders hoch ist der Vitamin-A-Gehalt, der ist top für die Augen und massgebend für die schöne orange Farbe. Süsskartoffeln liefern auch jede Menge an Kohlenhydraten, diese werden vom Körper in Zucker umgewandelt und dienen sowohl dem Gehirn als auch den Muskeln als Energiequelle. Eine gesunde Portion an Ballaststoffen steckt auch noch drin. Fazit: Süsskartoffeln sind echte Superhelden!

Anbau
Sonnig, warm und windgeschützt mag es die Süsskartoffel, ideal sind lockere, gut drainierte, sandige Lehmböden. Schwere und stauende Böden machen krumme, vernarbte Wurzeln. Wenn vor dem Pflanzen reichlich reifer Kompost eingearbeitet und Staunässe verhindert wird, sind das beste Voraussetzungen zum Wachsen. Süsskartoffeln werden nicht aus Saat oder Knollen wie Kartoffeln gesetzt, sondern aus Stecklingen, Slips genannt. Diese werden erst gepflanzt, wenn der Boden in den ersten 10 cm Tiefe über 18 °C hat und Frost ausgeschlossen werden kann. Was in der Schweiz ca. Ende Mai, Anfang Juni der Fall ist. Dadurch, dass sie eine rankende Pflanze ist, können auch Gitter oder Schnüre bereitgestellt werden, damit sie sich ausbreiten kann. Nach 85–120 Tagen ist es so weit, die Pflanzen sind reif und können geerntet werden. 7–10 Tage warm und feucht nachreifen lassen, danach bei 13–15 °C dunkel und luftig lagern. Wegen Kälteschäden nicht im Kühlschrank aufbewahren.

Solanin auch bei Süsskartoffeln?
Solanin ist ein natürlicher Bitter- und Abwehrstoff aus der Familie der Nachtschattengewächse, berühmt-berüchtigt vor allem in Kartoffeln. Er entsteht, wenn Knollen Licht abbekommen, keimen oder verletzt werden, und sammelt sich besonders in der Schale, an grünen Stellen und in den «Augen». Weil Solanin hitzestabil ist, verschwindet es beim Kochen nicht zuverlässig. Wer zu viel davon erwischt, spürt das zuerst im Magen durch Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall. Bei höheren Dosen können auch Kopfschmerzen, Schwindel oder Benommenheit dazukommen. Darum lautet die Faustregel bei Kartoffeln: dunkel und kühl lagern, grüne oder stark keimende Stellen grosszügig wegschneiden oder die Knolle ganz entsorgen, im Zweifelsfall schälen.

Und genau hier liegt der beruhigende Unterschied zur Süsskartoffel. Sie gehört botanisch nicht zu den Nachtschatten-, sondern eben zu den Windengewächsen. Solanin spielt bei ihr keine Rolle. Das macht den Umgang in der Küche einfacher. Die Schale kann man in der Regel bedenkenlos essen. Wichtig bleibt natürlich die allgemeine Lebensmittelhygiene. Beschädigte oder schimmlige Süsskartoffeln immer aussortieren. Auch die Lagerlogik ist eine andere. Süsskartoffeln mögen es wärmer und trockener bei etwa 13–15 °C, also nicht klassisch im Keller lagern wie Kartoffeln.

Rezepte:

Gefüllte Süsskartoffeln

Rindsgeschnetzeltes an einer Pfeffer-Champignon-Rahmsauce mit Süsskartoffel-Schupfnudeln

Seezungenröllchen gefüllt mit Scamorza und grünen Bohnen auf Süsskartoffelstock

Poulet-Erdnuss-Spiesse mit Ofen-Süsskartoffeln

 


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