Ei, wie vielseitig!

Ernährungsberatung

Ei, wie vielseitig!

Rund, schlicht, von aussen unscheinbar: Das Ei ist das Chamäleon der Küche. Ob im Frühstücksbrötchen, in der traditionellen Spaghetti carbonara, im Zopf oder beim legendären Eiertütschen an Ostern – kaum ein Lebensmittel ist so vielseitig, so traditionsreich und in fast jedem Schweizer Kühlschrank zu finden. Ich habe eine ganz persönliche Beziehung zu Hühnern und Eiern. Kaum konnte ich gehen, durfte ich mit meiner Grossmutter in den Hühnerstall die Eier einsammeln gehen. Das hat mich von klein auf gelehrt, mit diesem Produkt respektvoll umzugehen.

Redaktor/in Nadia Bassot

Was steckt denn eigentlich alles im Ei? Man sieht es ihm nicht an, aber in diesem ovalen Kraftpaket steckt geballte Nährstoffpower. Ein durchschnittliches Hühnerei bringt es auf rund 80 Kalorien
– also ein echtes Leichtgewicht. Dafür liefert es: hochwertiges Eiweiss, das vom Körper fast vollständig verwertet wird. So verfügen Eier z. B. über alle essenziellen Aminosäuren, die unser Körper braucht, um Muskeln, Enzyme und Hormone aufzubauen. Diese Aminosäuren kann der Körper nicht selbst herstellen – umso wichtiger ist es, sie über die Ernährung aufzunehmen. Besonders das Eiweiss des Eis punktet mit einer sehr hohen biologischen Wertigkeit: Es kann vom Körper fast vollständig in körpereigenes Protein umgewandelt werden, weshalb es ein wertvolles Lebensmittel zum Beispiel für Sportler sein kann.

Aber auch das Eigelb hat es in sich – es enthält wichtige Vitamine, Mineralstoffe, darunter z. B. Vitamin A, D, B12, Eisen, Zink und Selen, und gesunde Fette. Wer also regelmässig Eier geniesst, unterstützt auf natürliche Weise seinen Stoffwechsel und die Regeneration des Körpers. Kurz gesagt: Das Ei ist eine kleine Nährstoffbombe – und damit viel zu gut, um auf Cholesterin reduziert zu werden. Neue Forschung zeigt ohnehin: Für die meisten Menschen ist das Cholesterin aus Eiern kein Problem. Viel entscheidender ist die gesamte Ernährung. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin wird das Ei gemäss seiner Wirkung in die Ernährung eingebaut; so wird es zum Beispiel in Regenerationsphasen, etwa nach einer Geburt oder nach einer kräftezehrenden Krankheitsphase, empfohlen.

Gemäss der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) passen etwa zwei bis drei Eier pro Woche wunderbar in eine ausgewogene Ernährung. Wer sportlich aktiv ist oder keinen erhöhten Cholesterinspiegel hat, darf auch mal mehr geniessen. Und: Eier zählen offiziell zu den «hochwertigen Proteinlieferanten» – ideal für Muskeln, Sättigung und ein stabiles Immunsystem. Der Mensch und das Ei – das ist eine ziemlich alte Geschichte. Schon in der Steinzeit sammelten unsere Vorfahren Eier aus Nestern. Im Mittelalter waren Eier wertvoll und in der Fastenzeit sogar verboten. Nur: Die Hühner legten trotzdem weiter. Also kochte man die überschüssigen Eier, damit sie länger hielten – und verschenkte sie zu Ostern. So wurde das Osterei geboren, lange bevor der Osterhase ins Spiel kam.

Zurück zu meiner persönlichen Beziehung zu Eiern und Hühnern. Ostern in der Schweiz ohne Eiertütschen? Unvorstellbar! Beim beliebten Brauch treten zwei «Kontrahenten» gegeneinander an, jeder mit einem hart gekochten, am besten bunt gefärbten Ei in der Hand.

Dann heisst es: «Spitz gegen Spitz!» – und tütsch! Wessen Ei heil bleibt, gewinnt. Und ja, es gibt Tricks (jeder hat da seine eigene Wahrheit): Manche schwören auf spitzere Eier, andere auf braune Schalen oder darauf, das Ei unauffällig zu drehen, damit die stärkere Seite nach vorne zeigt. Doch am Ende zählt der Spass – und das gemeinsame Lachen am Ostertisch. Und genau so war mein Ostersonntag jahrelang, Grosseltern, Kinder, Enkel und Urenkel, eine Küche voller Menschen beim Eiertütschen, einfach eine wundervolle Erinnerung, die ich auf keinen Fall missen möchte.

Das Ei ist kein einfaches Lebensmittel – es ist ein Symbol. Für Leben, Neubeginn, Gemeinschaft und Genuss. Es gehört zum Zmorge wie das «guete Morge» und zeigt, dass Einfachheit manchmal das Beste ist. Ich persönlich verarbeite Eier gerne in den unterschiedlichsten Gerichten, sei es als Apfelei am Morgen, in Spätzli, Pasta oder als Spiegelei auf der Rösti zum Zmittag oder als Kräuteromelette
am Abend. Es gibt unzählige Möglichkeiten, und das Beste daran finde ich, dass die meisten Gerichte extrem schnell zubereitet sind.


Nadia Bassot, 45, ist verheiratet und hat einen Sohn. Sie besitzt Aus- und Weiterbildungen in Reflexologie TCM und Integrativer Ernährung sowie ein CAS in Arbeits- und Organisationspsychologie. In ihrer Praxis munterWERK berät und begleitet sie individuell und ganzheitlich. Ihr Fokus liegt darauf, eine Ernährungsform zu finden, die passend für die Person und deren Lebensumstände ist.

munterwerk.ch


 


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