Dots und Shorty kenne ich aus den sozialen Medien, Andrea und Caroline sind die Herrchen der süssen Supernasen. Unterschiedlicher könnten die beiden kaum sein, ein Dackel und ein Dalmatiner. Die Begeisterung des Trüffelsuchens hat Andrea und Caroline gepackt, und sie bieten nun nach erfolgreich besuchten Kursen und mit viel Routine auch exklusive Trüffelanlässe in der Gastronomiebranche an. Geht es nach den beiden, kann jeder Hund mit dem richtigen Training Trüffel finden. Bei einem persönlichen Treffen auf einem Trüffelspaziergang erlebe ich die zwei Vierbeiner in ihrem Element und lasse mich in die Welt des Trüffelsuchens entführen.

Ihr zwei seid ja kein Paar. Wie kommt es, dass ihr zusammen auf Trüffelsuche geht?
«Wir sind befreundet, kennen uns seit unserem Studium an der Ecole Hôtelière de Lausanne.»
Habt ihr in der Gastronomie gearbeitet?
«Andrea hat jahrelang in verschiedenen 5-Sterne-Hotels gearbeitet, etwa im Beau-Rivage Lausanne oder im Royal Savoy Lausanne. Caroline hat 10 Jahre im Ausland gelebt und dort in der 5-Sterne-Hotellerie gearbeitet. Stationen waren z. B. das Waldorf Astoria in Rom, Abu Dhabi, Paris, Wien und zuletzt das Waldorf Astoria in New York. Mit den Kindern kam dann der Umzug zurück in die Schweiz.»
Wie seid ihr dazu gekommen, eure Hunde zu Trüffelsuchhunden auszubilden?
«Ich war 2023 in Umbrien, habe eine Trüffeltour gebucht und war verblüfft vom richtigen Aroma des
Schwarztrüffels im Vergleich zu den künstlichen Aromen, die man in der Schweiz findet – etwa bei
Trüffelchips, Trüffelöl usw. Darauf habe ich meine Kollegin Caroline gefragt, die sich gerade einen Dalmatinerwelpen geholt hatte, ob wir nicht gemeinsam eine Trüffelausbildung absolvieren wollen. Für Caroline sind die Natur und die Berge sehr wichtig. Daher hat sie sich einen sportlichen Hund zugelegt, der gerne mit der ganzen Familie wandern geht. Da es aber für Caroline langweilig werden kann, ‹nur› zu spazieren, war das Trüffelsuchen eine tolle Möglichkeit, dem Goldgräberinstinkt nachzugehen und gemeinsam als Team mit dem Hund auf die Suche zu gehen. Als die Kinder dann Trüffel wie Reibkäse auf die Pasta gestreut haben, war es an der Zeit, nach anderen Möglichkeiten zu suchen und anderen Personen die Freude am Trüffel zu vermitteln. Das gelingt nun ganz gut mit Lieferungen an viele Gault-Millau-Restaurants in der Stadt Zürich, die lokale und nachhaltige Produkte aus der nächsten Umgebung schätzen und ihren Gästen so servieren möchten.»
Wie habt ihr angefangen zu trainieren, und wie lange ist das her?
«Wir haben mehrere Monate einen Kurs besucht mit viel Theorie und Einzellektionen. Danach haben
wir über ein Jahr fast täglich mit unseren Hunden trainiert. Zuerst den Hund am Geruch konditioniert,
dann im Wohnzimmer geübt, auf der Terrasse, im Garten und Schritt für Schritt im Wald mit richtigen Suchspielen – mit viel Geduld und Belohnungen.»

Wie lange hat es gedauert, bis Shorty und Dots es erlernt hatten?
«Nach einem Jahr intensiven Trainings – auch neben der Saison mit teilweise tiefgefrorenen Trüffeln – sind sie zu erfolgreichen Trüffelhunden geworden. Da sie erst eineinhalb bzw. drei Jahre alt sind, verbessern sie ihre Such-Skills laufend. Auch wir Menschen haben nun ein geschultes Auge und erkennen neue potenzielle Trüffelplätze.»
Wer ist der bessere Suchhund?
«Der Dackel ist ein Jagdhund, gezüchtet, um Dachse unter der Erde aufzuspüren, und hat eine unglaublich feine Nase – perfekt für die Trüffelsuche. Dackel sind sehr hartnäckig, ausdauernd, aber auch stur, was das Training nicht immer vereinfacht. Mit viel Liebe, Geduld und Spielfreude sind Dackel wunderbare Trüffelhunde. Der Dalmatiner kann mit seiner Grösse tiefer graben – teilweise sind Herbsttrüffel 30 cm unter der Erde –, was ein klarer Vorteil ist. Shorty mit ihrer sehr feinen Nase und der Hartnäckigkeit ergänzt sich wunderbar mit den Talenten von Dots. Die zwei Hündinnen sind ein Herz und eine Seele. Der Dalmatiner ist ein Laufhund mit hoher Ausdauer und starkem Bewegungsdrang, historisch als Kutschenhund eingesetzt. Um die geistigen Bedürfnisse zu erfüllen, ist die Trüffelsuche ideal für Dots. Sie kann sich diesem Hobby stundenlang widmen. Der wichtigste Aspekt ist bei beiden die starke Bindung an ihre Bezugsperson – nur so funktioniert Teamwork.»
Habt ihr eine Anekdote oder spezielle Erlebnisse bei der Trüffelsuche erlebt?
«Unglaublich, aber wahr: Einmal wollte ein Jäger Shorty abkaufen, da er so konzentriert seiner Arbeit
als Trüffelhund nachging. Natürlich unverkäuflich! Dots hat neben Trüffeln im Wald einmal einen Ehering tief unter der Erde gefunden. Wie der wohl dort hinkam? Wir haben ihn natürlich im Fundbüro abgegeben. Es gibt also nicht nur schwarzes Gold unter der Erde, sondern auch echtes.»
Wo findet man am ehesten Trüffel? Anzeichen?
«Trüffelfundorte sind oft bewusst geheim, da sie empfindlich sind. Wenn zu viele Menschen einen
Trüffelplatz ausgraben, kann das die Sporenverbreitung und Regeneration stören. Uns ist es wichtig, die Natur so zu hinterlassen, wie wir sie vorgefunden haben. Nur so kann sie erneut Trüffel produzieren. Trüffel brauchen Mykorrhiza-Partner (Bäume, mit deren Wurzeln sie symbiotisch leben). In der Schweiz vor allem: Eiche, Hasel, Buche, Linde, Hainbuche, Kiefer. Wenn du mit deinem Hund üben möchtest, ist es essenziell, die Natur bis ins letzte Detail lesen zu können und den Hund nicht an Orten suchen zu lassen, wo definitiv keine Trüffel wachsen können. Die Symbiose zwischen Mensch, Hund und Natur ist zentral, um erfolgreich Trüffel zu finden.»

Wenn es nach euch geht, kann das jeder Hund. Woran erkenne ich, dass mein Hund es auch kann?
«Der Hund muss neugierig sein, eine gute Nase haben und gerne Suchspiele machen. Wichtiger als die Rasse ist der Charakter. Wie bei Menschen ist jeder Hund anders und eignet sich unterschiedlich gut für die Trüffelsuche. Am wichtigsten sind die starke Beziehung zum Besitzer sowie Geduld, Zeit und Liebe.»
Welches Kommando gebt ihr, damit der Hund die Trüffel nicht selbst frisst?
«Das Wort Trüffel ist tabu und darf nie verwendet werden. Wir haben spezielle Kommandos, damit der Hund weiss, dass er nun im Trüffelmodus arbeitet. Diskretion ist wichtig – genaue Plätze werden nie verraten.»
Welche Jahreszeiten eignen sich am besten für die Trüffelsuche?
«In der Schweiz sind die häufigsten Arten: Sommertrüffel (Tuber aestivum) und Herbst-/Burgundertrüffel (Tuber uncinatum). Sommertrüffel reifen von Juni bis September. Herbsttrüffel findet man von September bis Dezember. Mit Glück findet man einzelne Wintertrüffel (Périgord-Trüffel) ab Dezember bis Januar. Wir sind von Juni bis Dezember in den Wäldern rund um Zürich unterwegs. Sommertrüffel ab Juni, ideal zum Üben, da milder. Die intensiven Herbsttrüffel ab September sind perfekt für die Gastronomie und unsere Gault-Millau-Partner.»

STECKBRIEFE
Name: Andrea-Antonio Sarnella
Hundename: Shorty (auch bekannt als Baguette)
Rasse: Zwergdackel
Alter: 3 Jahre
Herkunft: Schweizer & Italiener
Berufsbezeichnung: International E-Commerce Manager
Name: Caroline Kaufmann
Hundename: Dots (auch bekannt als Finja)
Rasse: Dalmatiner
Alter: 1,5 Jahre
Herkunft: Kanton Bern
Berufsbezeichnung: Unternehmerin – Relocation Business
Gut zu wissen:
Sommertrüffel (T. aestivum):
• Mildes, erdiges Aroma
• Innen hell, gelblich-braun bis hellbraun
• Wird oft für Alltagsgerichte genutzt
Herbst-/Burgundertrüffel (T. uncinatum):
• Intensiveres Aroma mit Nuss- und Pilznoten
• Dunklere Gleba, ausgeprägtere Adern
• In der Schweiz sehr geschätzt
Wie gross war euer grösster Trüffel?
«250 g aus dem Zürcher Wald, tief unter einer alten Eiche. Dots war sehr stolz und wurde belohnt.
Danach haben wir uns von einem Chefkoch ein Menü zubereiten lassen.»
Was passiert mit den ganzen Trüffeln?
«Ein Teil geht an Freunde (für Tagliatelle, Risotto …), ein Teil an exklusive Restaurants, die lokale Qualität schätzen. Wir beliefern auch Feinkostläden wie Berg & Tal oder Les Trois Champignons.»
Wo kann man sie kaufen oder bestellen?
«In ausgewählten Zürcher Restaurants (teilweise Gault-Millau) und Feinkostläden wie Berg & Tal (Markthalle Zürich). Privat via E-Mail: zurichtruffle@gmx.ch oder Instagram: ZurichTruffle.»
Ihr bietet private Trüffelevents an – wie läuft das ab?
«Wir bieten Trüffelerlebnisse: Eine Tour mit Dots und Shorty plus ein exklusives Dinner bei Topköchen aus der Region. Für die nächste Saison sind regionale neue Trüffelprodukte in Kooperation mit Partnern geplant.»
Kontakt:
ZurichTruffle
E-Mail: zurichtruffle@gmx.ch
Andrea-Antonio Sarnella & Caroline Kaufmann
Tel. +41 79 550 55 02 | Tel. +41 76 596 62 14
Instagram: ZurichTruffle
